Wie zu Napoleons Zeiten

Foto: Roland Peter

Jungfraucup 2011: Schwarzpulver und Blei ist ihre Leidenschaft. Die Vorderladerschützen aus Slowenien, Frankreich, Österreich und der Schweiz trafen sich in Steffisburg und schossen mit jahrhundertealten Waffen. Zur Freude, aber auch wettkampfmässig wie vergangene Woche am Internationalen Jungfrau-Cup.

Es knallt laut und kurz, darauf zieht dicker Rauch über die Felder. Der Geruch von Schwefel hängt in der Luft. Schmauch setzt sich nieder. Es ist der zweite von insgesamt drei Tagen, an dem 45 Schwarzpulverschützen aus Frankreich, Österreich und der Schweiz in Steffisburg ihre Treffsicherheit unter Beweis stellen.«Volles Haus», sagt Ruedi Lang am Samstag zufrieden, Präsident der Vorderladerschützen Steffisburg und Organisator des Jungfrau-Cups.

Der Reiz der Mühsal

Geschossen wird mit alten Waffen – den Vorderladern. Sie werden mit Schwarzpulver und Bleigeschoss geladen. Schiessen wie zu Napoleons Zeiten also. Technisch ist der Vorderlader überholt. Die Ladegeschwindigkeit ist gering, der Aufwand gross. Jeder Schütze muss seine Bleikugeln selber giessen. Vom Schwarzpulver werden die Finger dreckig. Die Waffen müssen nach jedem Gebrauch sorgfältig gereinigt und geölt werden, weil das Schwarzpulver korrosive Rückstände hinterlässt. Zu mühsam, um sie heute noch zu gebrauchen, könnte man meinen. Doch gerade diese Eigenheiten machen für Ruedi Lang den Reiz des Vorderladers aus. Und die Verbundenheit mit der Tradition. «Wir versuchen zu erhalten, was verloren zu gehen droht.» Für Bruno Reber, mehrmaliger Weltmeister im Vorderladerschiessen, ist die Faszination schwierig zu fassen: «Es ist Herzblut.» Löcher machen könne man ja auch mit modernen Waffen. Aber es sei eben nicht dasselbe.

Kirche durch Jungfrau ersetzt

Der Vorderlader-Jungfrau-Cup findet dieses Jahr bereits zum zweiten Mal statt. Der Ursprung des Wettbewerbes liegt allerdings Jahre zurück. Davor galt es, die Kirchturmuhr von Steffisburg zu treffen – abgebildet auf der Zielscheibe. Bei der hiesigen Bevölkerung kam dies nicht gut an. Es formierte sich Widerstand, gegen den selbst die bewaffneten Schützen machtlos waren. So ersetzte man das Bild durch regionale Schlösser. Damit hatte niemand Probleme. Doch nach ein paar Jahren tauchte eine neue Schwierigkeit auf: Die Schlösser waren «aufgebraucht». Eine neue Idee musste her. Man wurde fündig in der Jungfrau. Es wurde aber nicht etwa die heilige Jungfrau auf der Zielscheibe abgebildet. Der Anlass heisst so, ganz pragmatisch, weil die Hauptsponsoren alle aus der Jungfrauregion kommen.

Der Vorderlader schiesst nur präzise, wenn der Schütze das Pulver und das Geschoss in der richtigen Zusammenstellung lädt. Das setzt viel Erfahrung voraus. Nicht selten sind deshalb ältere Schützen den jungen überlegen. Vielleicht ein Grund für die Überalterung des Steffisburger Vereins. Doch die alten Herren geniessen ihr Hobby: Schiessen und Beisammensein. «Natürlich ist es schön, zu gewinnen, aber die Kameradschaft steht im Vordergrund», sagt Lang. Darum gibt es an diesem Jungfrau-Cup auch keine Medaillen zu gewinnen. Jeder Teilnehmer bekommt ein Andenken – keine Zielscheibe, sondern einen Tonkelch: zum Trinken und Kameradschaft pflegen.

 

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